Bögeholz Presse - Schlaraffia Cell-Erika

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Bögeholz Presse

Otto Bögeholz



Wolfenbüttel/Lokal vom 04.08.2010


"Aviso"
Unser Otto

Erlesenes von Dr. Georg Ruppelt

Nein, von unserem Welfenkaiser soll hier nicht die Rede sein, auch nicht von den ottonischen oder den ostfriesischen Ottos. Wir wollen uns mit » Otto Bögeholz beschäftigen. – Otto, wer? Bögeholz, Otto Bögeholz! Nie gehört vom großen Heimatdichter aus dem 19. Jahrhundert?! Das ist insofern erstaunlich, als sich für sein Werk in den vergangenen Jahren offenbar eine Renaissance abzeichnet. 2002 wurde sein Gedichtband » "Alles ist Gefühl", der 1985 zuerst erschienen war, erneut aufgelegt. Und 2005 kam sein zweites Buch » "Gefühl ist alles" ebenso wie das erste im Göttert-Verlag, Diepenau, heraus. Jedes gut 160 Seiten stark und interessant illustriert. Ottos Leben (er selbst fordert in einem Gedicht: "Drum sei von mir aus Euer Motto:/Nennt mich ganz einfach Euren Otto"), sein Leben also ist in diesen » Büchern und im Internet gut dokumentiert.

1805 in » Tatenhausen geboren und eben dort 1895 auch gestorben, war er Zeitgenosse vieler bedeutender Schriftsteller, denen er sich auch im Geiste verbunden fühlte, wie etwa Storm, Keller, Löns oder Busch.

Letzterer habe ihm - so steht es in "Alles ist Gefühl" - 1887 seinen "Humoristischen Hausschatz" mit einer umfänglichen Widmung zugesandt, deren letzter Satz lautet: "In Freundschaft ein besonderer Tusch/für Bögeholz! Dein Wilhelm Busch."

Doch nicht nur in Büchern hat Otto Bögeholz seine Spuren hinterlassen. Wer in Braunschweig-Watenbüttel durch das dortige Dichterviertel flaniert, findet Namen wie Morgensternweg, Ringelnatzstraße, Sudermannstraße und eben auch Otto-Bögeholz-Straße. Seit den 70er Jahren heißt sie so und würdigt eine Person, die nie existiert hat. "Unser Otto" und seine vielen Gedichte sind eine Erfindung der » Celler Vertretung von „Schlaraffia“, dieser weltweiten Vereinigung zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor. (Davon ein andermal mehr.) Einem Schlaraffen gelang es damals, der Stadt den angeblichen Heimatdichter unterzuschieben. Und die Stadtväter und –mütter bewiesen Humor. Das Straßenschild trägt schon lange die Zusatztafel: "von den 'Schlaraffen' erfundener Heimatdichter".



Dr. Georg Ruppelt ist Direktor der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek in Hannover. Er lebt in Wolfenbüttel. Seine Kolumne „Aviso“ erscheint jeden Mittwoch.

Aufgelesen von Rt Thronschreck (55) für dR Cell-Erika


Letzte Änderung: 16.10.2017
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