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Otto Bögeholz > Bögeholz' Werke > Gefühl ist Alles



Auszüge aus "Gefühl ist Alles" von Otto Bögeholz

Selbstporträt
Bin mit Herz und Hand Westfale,
innerlich 'ne Frohnatur.
Leberfleck und Muttermale
deuten äußerlich auf stur.

Standhaft wie 'ne Donareiche
gibt es für mich auch kein Tabu.
Nur über meine eigene Leiche
lasse ich ein Unrecht zu.

Ich liebe einen guten Tropfen,
auf den ich gar nicht gern verzichte.
Mag auch Malz und Hopfen
und die Kleinen, die von Schlichte.

Ich dichte in geschliffnen Versen,
mag Frauen blond besonders gern,
bleib' im Leben den diversen
Hochgenüssen niemals fern.


Die Forelle
Am Dorfbach klar und helle
stand ich mit frohem Sinn,
wollt' angeln die Forelle
und reckte hoch mein Kinn.

Ich warf die Angelrute
weit in das kühle Nass.
Es wallte warm mein Blute.
Das Fischlein wurde blass.

Es biss in meinen Haken
und hing an meiner Schnur.
Die andern Fisch' erschraken
und flüchteten retour.

Ich zog nun die Forelle
heraus aus unserem Bach.
Sie zuckte wild und schnelle
und seufzte leise: "Ach!"

"Hab' Mitleid wilder Fischer,
und denk' an meine Brut,
die ich im Bauche trage.
Das tut der gar nicht gut.

Ich werd' Forellenmutter
von hundert Fischlein klein.
Wenn du mich isst in Butter,
dann gingen alle ein."

Mir grauste vor dem Morden
an vielen Fischlein zart.
Da bin ich still geworden,
wie das so meine Art.

Ich habe die Forelle
gesetzt in unser'n Bach.
Ich wollte an dieser Stelle
nicht töten hundertfach.


Im Harz
Auf Goethes Spuren wandert' ich dahin.
Nichts zu tun lag mir im Sinn.
Dass mir dies' gelungen,
sei jetzt hier besungen:

Den lieben Tag lag ich im Gras,
die Füße in eines Bächleins Nass.
Die Sonne küsste mir den Bauch,
und danach den Rücken auch.

Dann küsste sanft die Muse mich
auf die Stirne gar, recht minniglich.
Heft'ge Sehnsucht mich verband
mit meinem schönen Heimatland.

Nur diesem bin ich eng verschworen,
weil in diesem Lande ich geboren.
Dort, wo blüht das Glück allein,
dort will ich begraben sein.

Der Frühling kommt
Winter schere dich nach Haus!
Deine Herrschaft ist jetzt aus.
Deutlich habe ich das Gespür:
Der Frühling steht nun vor der Tür

Meisen bauen im Geäst
schon ihr erstes kleines Nest.
Wie sie piepsen, wie sie nuscheln,
sie sich aneinander kuscheln!

Alles regt, bewegt sich. Zwar
hörte ich schon längst den Star,
habe auch bereits vernommen,
selbst der Storch sei angekommen.

So manche bunte Primel
leuchtet unter blauem Himmel.
Tulpen kommen und Hyazinthen,
Waldmeister grünt und auch die Minzen

Leberblümchen und versteckt
sich so mancher Krokus reckt.
Überall, man sieht es ja:
Ach, der Frühling ist schon da.

Nur Du
Es haut der Metzger eine Kuh,
man haut den Lukas ab und zu.
Manch' Flegel haut "ok sine Fru",
in meinem Herzen haust nur du!

Manche Maid sinkt hin und wieder
ins grüne Gras beim Rendezvous.
Es sinkt die Sonne abends nieder,
in meinem Herzen singst nur du!

Der Gassenbub spuckt ins Gelände,
es spuckt das Lama ohne Ruh'.
So mancher spuckt sich in die Hände,
in meinem Herzen spukst nur du!

Es brennt und rußt bei Katastrophen.
In Russland rußt es immerzu.
In meinem Zimmer rußt der Ofen,
in meinem Herzen ruhst nur du!


Meine Reiselust
Begeistert bin ich, wie bekannt,
von Reisen in ein fernes Land.
Ich war schon in Amerika,
länger auch in Kanada.

Ein Traum wär' noch das Kongo-Becken.
Aber auch an anderen Ecken
wäre ich so gern gewesen,
hab' viel von Afrika gelesen.

Ich träume wach und lieg' im Boot
und kau' genüsslich Friedas Brot,
als ich erblick am Horizont
eine schneeweiße Spitze, die besonnt.

Das ist die Insel aus meinem Traume,
es ist Teneriffa, meine Alraune!
Dies Eiland gibt mir neuen Schwung -
trotz fünfzig werd' ich wieder jung!

Im Hafen dreh' ich viele Runden,
ein Boot hab' ich bereits gefunden.
Der Bootsmann aber meint verwundert:
"Teneriffa? Erst im kommenden Jahrhundert!"


Mein Testament
Oh, Freund, wenn du jetzt dieses liest,
dein Bögeholz schon posthum ist.
So vieles, das ich einst geschrieben
ist unveröffentlicht geblieben.

Die Manuskripte sind im Pult.
Nun übt Euch nur noch in Geduld.
Auf einiges solltet ihr verzichten,
am besten lieber gleich vernichten.

Der Abend senkt sich still hernieder,
es schweigt des Menschen laute Lust.
Das letzte Echo meiner Lieder
braust wetterleuchtend durch die Brust.

Der Dichter rüstet sich zum Scheiden,
lenkt himmelwärts den sanften Blick,
gedenkt der Wiesen, Wälder, Weiden,
denn Otto kommt nicht mehr zurück.

Das Schicksal ließ im Sturmesbrausen
des Lebens Güter mir zum Pfand.
Der Alte nun von Tatenhausen
streift ab den eitlen ird'schen Tand.

So manches hab' in meinem Leben
ich Freunden, Gönnern auch gegeben,
was Verse schmiedend ich gebrütet,
und geraume Zeit bei mir behütet,

hab' ich, von Großmut treu gelenkt,
wohl meinen Freunden auch verschenkt.
Der Nachwelt möge es gelingen,
sie erneut einander nah' zu bringen.

Prophetisch können meine Augen
in ferne Zeiten blicken fort.
Wenn Dichterstrophen wirklich taugen,
lebt ewig weiter Werk und Wort.

So wünsche ich Euch sehr viel Stärke,
zu sammeln meine großen Werke,
auf dass ihr sie, wie reines Gold,
der Jugend weitergeben sollt.

Ich kann in künft'gen Lebenskreisen
Ritterfreunde vor mir sehn,
die 's der Vergessenheit entreißen:
Mein Werk wird niemals untergehen.


Letzte Änderung: 17.12.2017
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